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Teufelskreise als Eskalationstreiber

Am 20. Mai 2022 fand eine Fortbildungs-Tagung der Expertsgroup Wirtschaftsmediation mit Prof. Dr. Dr.h.c. F. Glasl in Salzburg statt. Prof. Glasl berichtet einleitend über das Problem, dass z.B. durch Stress die Selbststeuerung von Individuen und Gemeinschaften (Personen, Organisation, Staat) beeinträchtig wird und ganz verloren gehen...
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Wirtschaftsmediation schafft Klarheit, WIFI Salzburg Foto: Andreas Kolarik/Herbert Rohrer, 20.5.2022

Am 20. Mai 2022 fand eine Fortbildungs-Tagung der Expertsgroup Wirtschaftsmediation mit Prof. Dr. Dr.h.c. F. Glasl in Salzburg statt.

Prof. Glasl berichtet einleitend über das Problem, dass z.B. durch Stress die Selbststeuerung von Individuen und Gemeinschaften (Personen, Organisation, Staat) beeinträchtig wird und ganz verloren gehen kann. Er stellt diese Form der Eskalationstreiber auch auf neuronaler Ebene vor. Neuronale Strukturen und Prozesse werden als Emotionen und Kognitionen mit Handlungen verbunden. Werden dabei die Bedürfnisse der Beteiligten nicht befriedigt, entsteht Frust, der nach destruktiver Ersatzbefriedigung sucht. Ärgern, schädigen, zerstören wird so vorprogrammiert!

Folglich werden vier Mechanismen miteinander gekoppelt und stellen die wichtigsten Treiber dar. Die eskalierende Wirkung schafft eine „Dämonisierte Zone“. Die Konflikteskalation beginnt. Das Selbstheilungspotenzial ist im ersten Drittel der neun Eskalationsstufen intakt aber gefordert, im zweiten Drittel angeschlagen und herausgefordert und im dritten Drittel nicht mehr funktionierend, überfordert. In den Stufen 1 – 3 reden wir davon, dass wir einen Konflikt haben, während in den nächsten drei Stufen der Konflikt bereits uns hat und eine Selbststeuerung außer Kraft gesetzt wird.

Mögliche Auswege und Ausstiege aus dem Teufelskreis werden erörtert und beispielhaft diskutiert. Proaktives statt reaktives handeln wird im Kleinen und im Großen sozial gegliedert. Am Beispiel einer mentalen Reise „Konsens über die unerwünschte Zukunft“ werden Konfliktparteien dazu angeregt konstruktive Alternativen zu finden. Am weiteren Beispiel der GRIT-Methode wird das schrittweise Reduzieren der Intensität der Spannung nachvollziehbar.

Wichtige Prinzipien für De-Eskalation runden den Theorieteil ab. Z.B. verhalte dich nicht so, wie dies im Teufelskreis der Partner erwarten würde – positive Verunsicherung und Muster auflösen sind erfolgsbringende Strategien.

Zum Abschluss gibt der Völkerrechtler Glasl noch spannende und teils überraschende Einblicke in die Realität und Entwicklung des grausamen Kriegsgeschehens in der Ukraine.

„Ich lasse mich nicht hindern, zu gestalten, was mich hindert zu gestalten.“ nach Karl Kraus

Ein spannender und inspirierender Tag der Wirtschaftsmediation geht zu Ende – Danke Prof. Glasl!